Der Kampf gegen die Altersarmut

Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

 


185'800 Schweizer Senioren beziehen Ergänzungsleistungen.

 

Ihre AHV-Rente und die Bezüge aus der Pensionskasse reichen nicht aus, um die minimalen Lebenskosten zu decken. Gemäss Hochrechnungen von Pro Senectute nimmt diese Zahl stetig zu:

 

Jedes Jahr kommen 5000 zusätzliche Pensionäre dazu, deren Rente nicht existenzsichernd ist.  

Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich im Pensionsalter, weil sich bereits früher vorhandene Probleme, die mit einem geringen Einkommen einhergehen, stärker akzentuierten: «Wer während seines Berufslebens vermögend war und ein gutes Einkommen hatte, der hat auch als Rentner einen komfortablen Lebensstandard. Wer dagegen stets einen niedrigen Lohn hatte, der hat im Pensionsalter erst recht keine Chance, die ausbleibenden Einkünfte ausreichend zu kompensieren.» Doch während das Klischee des reichen Rentners in der Öffentlichkeit präsenter ist, leben arme Senioren häufig weitgehend unbemerkt – aus Scham. Fritz und Klara Huber (Namen der Redaktion bekannt) sind zwei dieser Rentner, die am Existenzminimum leben. Der heute 72-jährige Fritz Huber hatte vor der Pensionierung als Hilfsarbeiter auf dem Bau gearbeitet. Sein Einkommen im Niedriglohnbereich musste für die ganze Familie reichen; mit seiner Frau Klara hat er vier Kinder. Verzicht gehörte zum Alltag – die Hubers lebten in bescheidenen Verhältnissen. Doch Steuern, Krankenkassenprämien und Schulden belasteten das Familienbudget über die Jahre hinweg immer stärker, die Finanzen gerieten ausser Kontrolle.

Nach der Pensionierung liess sich Fritz Huber sein Pensionskassenguthaben auszahlen. Damit kam das Ehepaar eine Weile aus, bis schliesslich das angesparte Vermögen aufgebraucht war. Danach lebten die Hubers eine Zeit lang von der AHV-Rente. Eine dritte Säule hatten sie nie angelegt. Doch dann hatte Klara Huber letztes Jahr einen schweren Unfall. Im Spital kam aus, dass sie wegen der finanziellen Engpässe die Krankenkassenprämien nicht regelmässig bezahlt hatte.

 

Manche Kantone führen schwarze Listen mit säumigen Zahlern – so auch Frau Hubers Wohnkanton.

 

Die medizinischen Leistungen werden für die Betroffenen auf ein Minimum beschränkt. Nach dem Unfall erhielt die 69-Jährige daher nur eine Notfallbehandlung. Die Schulden bleiben.

 

Gleichzeitig stellte sich wegen des Spitalaufenthalts heraus, dass die Hubers bereits seit Jahren Anrecht auf Ergänzungsleistungen gehabt hätten. Mit ihrer AHV-Rente lebten die beiden unter dem Existenzminimum. Nun wurde berechnet, wie viel dem Ehepaar fehlte, um an diese Schwelle zu gelangen. Dazu wurden 1000 Franken für die Miete, 668 Franken für Krankenkasse und 2400 Franken für den Lebensbedarf inklusive Steuern veranschlagt. Doch statt über 4000 Franken standen den Hubers mit der AHV-Rente monatlich nur 3400 Franken zur Verfügung. Die Differenz erhalten sie nun per Ergänzungsleistungen ausbezahlt. Seither ist die monatliche Überweisung der Krankenkassenprämien zwar gesichert. Aber die Ausstände der letzten Jahre bleiben offen.

 

Mit ihrem Budget am Existenzminimum werden die Hubers diese Schulden nie begleichen können. Das hat zur Folge, dass ihnen weiterhin nur eine medizinische Notfallbehandlung zusteht.

 

Für Klara Huber, die seit dem Unfall einseitig gelähmt ist, bedeutet das eine Genesung unter erschwerten Bedingungen. 
Während die meisten diesem Problem mit Achselzucken begegnen unterstützt PnCG aktiv Projekte um Altersarmut zu bekämpfen. 

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