Alexa, spiel mir das Lied vom wahren Lauschangriff

Heutzutage ist das lockere Plaudern mit Siri, Alexa und Google für viele längst Bestandteil des Alltags. Dabei opfern wir unsere Privatsphäre zunehmend solchem Komfort. Über einen der grossen Kompromisse unserer Zeit.

Sie reagieren auf Befehle wie «Alexa» und «Okay, Google», sind elegant gestaltet und schön anzusehen. Smart Speaker sind der neueste Lifestyle-Trend. Zu Weihnachten scheint fast jeder einen der schicken neuen Lautsprecher für zu Hause bekommen zu haben. Und sind sie nicht wunderbar? Wie ein digitaler Butler gehorchen sie, ohne grosses Aufsehen zu machen, jedem unserer Befehle, immer bereit, uns mit den neuesten Nachrichten, dem Wetter oder unserer Lieblingsmusik zu versorgen – solange sie verstehen, was wir ihnen sagen. Ihr erklärtes Ziel: unser Leben bequemer zu machen, während wir uns munter mit ihnen unterhalten.

Doch wir sollten uns nicht von den glitzernden Marketingkampagnen ihrer Hersteller täuschen lassen. Diese Geräte sind nicht dazu da, uns zu dienen, zumindest nicht so, wie wir es von ihnen erwarten. Oder wie es die Autorin und Tech-Kritikerin Timandra Harkness mit Verweis auf Hilary Mantel treffend ausdrückte: «Ja, es ist ein digitaler Diener in deinem Haus. Aber denke nicht an ‹digitales Athen›, denke lieber an ‹Wolf Hall›. Für wen arbeiten deine Diener? Nicht für dich.» Denn ihre wahren Meister sind die Firmen, die sie bauen: Google, Amazon, Apple und Co., all die apokalyptischen Reiter der digitalen Revolution.

Es ist nicht so, dass intelligente Lautsprecher keine nützliche Ergänzung zu unserem von Technik durchdrungenen Leben darstellten. Apples Siri – einst entwickelt als virtueller Büroassistent für das amerikanische Militär – war der Beweis dafür, dass Spracherkennung in Kombination mit künstlicher Intelligenz uns helfen kann, Informationen zu navigieren und unseren Alltag etwas einfacher zu gestalten. Siri zeigte auch, dass Nutzer bereit waren, mit digitalen Assistenten zu sprechen, etwas, was vorher allenfalls in «Star Trek» der Fall war und was viele anfangs jedenfalls befremdlich fanden.

Die wahren Meister unserer Geräte

Heutzutage ist das lockere Plaudern mit Siri, Alexa und Google für viele längst Bestandteil des Alltags. Und wer würde nicht zugeben wollen, dass es schön ist, nach Hause zu kommen, die Hände voll mit Einkaufstüten, und «Alexa, leg Diana Krall auf!» zu rufen, um sich direkt in eine entspannte Abendstimmung zu bringen? Wen interessieren da schon Kassandra-Rufer, die mahnend «1984» und «Big Brother hört mit» schreien?

Doch all diese Annehmlichkeiten sind mit einem hohen Preis verbunden. Technologischer Fortschritt macht unser Leben zunehmend komfortabler, doch im Gegenzug verzichten wir gerne auf immer mehr Privatsphäre. Da ändert es auch nichts, dass viele Bürger in Umfragen Datenschutzbedenken äussern und sich über die Macht der Internetriesen besorgt zeigen. Wenn das «intelligente» Gerät während des Zwiebelschneidens in der Küche auf Wunsch die neuesten Nachrichten vorliest oder Notizen macht – ohne dass man die Arbeit unterbrechen muss –, sind alle Ängste schnell vergessen. Privatsphäre versus Bequemlichkeit ist der wichtigste Kompromiss unserer Zeit, ob wir es wollen oder nicht.

Und die Tech-Unternehmen, selbst wenn sie das Gegenteil behaupten, sind nur allzu gerne dazu bereit, die intelligenten Geräte und unsere Sorglosigkeit auf der Suche nach neuen Einnahmequellen auszunutzen. Dass uns «smarte» Lautsprecher «dienen», ist in diesem Zusammenhang bestenfalls ein hauchdünnes Feigenblatt. Amazon möchte seinen Umsatz steigern, Google möchte unsere Daten verkaufen, damit andere uns zu mehr Konsum animieren können. Die Vision ist es, solche und ähnliche Geräte in jeden Teil unserer Privaträume zu bringen und rund um die Uhr unsere Handlungen und Unterhaltungen mitzuverfolgen, auszuwerten und zu Geld zu machen.

Die Pläne dafür liegen bereits auf dem Tisch. Eine neue Studie von Consumer Watchdog, einer führenden Verbraucherschutzorganisation in den USA, hat aufgedeckt, dass Amazon und Google mehrere Patentanmeldungen eingereicht haben, die das Eindringen in unser Privatleben durch diese Geräte dramatisch ausweiten würden.

Die Datenauswertung unserer Alltags

So denkt Amazon etwa darüber nach, uns zu belauschen, auch wenn wir Alexa nicht direkt ansprechen. Intelligente Lautsprecher zeichnen ohnehin ständig unsere Gespräche auf – was sie müssen, um zu funktionieren. Das ist eine gute Ausgangslage, um uns und alle anderen in der Nähe des Geräts besser kennenzulernen und anschliessend mit massgeschneiderter Werbung anzusprechen. Oder wie wäre es, einfach ein paar Werbemassnahmen in Alexas Antworten zu schmuggeln? Offenbar hat Amazon auch hierzu ein Patent eingereicht.

Konkurrent Google möchte sein Google Home mit anderen von Google produzierten «intelligenten Geräten» wie Thermostaten, Lichtschaltern und Wasserzählern verbinden. Das Ergebnis wäre ein vernetztes Zuhause, das es der Firma ermöglichen würde, alle möglichen Rückschlüsse auf unser Verhalten zu ziehen: Wann (und wie oft) wir essen, arbeiten, duschen, schlafen, die Toilette spülen, Sex haben und so weiter.

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